Raubfisch-Seminar

„Wer nicht dabei war, hat was versäumt“


VEITSHÖCHHEIM. Am Sonntag, 24. September, konnte der Obmann der Angelfischer, Eduard Michel, als Referenten eines Seminars in der Blauen Traube Dietmar Isaiasch begrüßen. Tipps vom Raubfischweltmeister holten sich an diesem Vormittag über 50 Kursteilnehmer. Die Vorträge und Anleitungen fanden bereits davor in Trennfeld (22. September) und Niedernberg (23. September) reges Interesse; insgesamt besuchten etwa 170 unterfränkische Fischer die Veranstaltungen.

Anklicken zum Vergrößern!Der Raubfischweltmeister aus Recklinghausen lebt heute in Holland. Schon als kleiner Bub, so berichtete er in lockerer und witziger Form, hab er an Rhein und Ruhr mit anderen Jungs um die Wette geangelt. Seit 22 Jahren hat er sich auf Raubfische spezialisiert. Zander und Hecht sind seine Leidenschaft. Dabei hat er selbst Köder entwickelt, die es heute überall zu kaufen gibt.

Wer zum Angeln geht, rät der Weltmeister, sollte sich über alle Parameter des Reviers informieren. Dazu gehören Bodenstruktur und Tiefe des Gewässers, Fischarten und die jahreszeitlichen Veränderungen. Isaiasch spricht von einer Sommer- und einer Winterseite, die manche Gewässer haben können. So seien zum Beispiel Kanäle oft einseitig bewachsen und auf der anderen Seite bis in die Tiefe hinein frei.

Nur wenn man weiß wie ein Gewässer aussieht, welche Fischfauna es beherbergt und welche Temperatur das Wasser hat, könne man sich mit dem Köder auf den Hecht einstellen. Dieser Köder müsse dann in jedem Fall bewegt werden. Wie schnell, das bestimmen die dort vorkommenden Futterfische. Isaiasch rät zu regelrechtem Training, damit man seine neuen Köder an der Rute ideal führen könne: „Sie müssen den Köder zum Leben erwecken“. Nach dem Fang sollte man auch den Köder begutachten. Im ungünstigsten Fall schwimmt er nach einem kräftigen Anbiss nie wieder wie zuvor und reizt keinen Räuber mehr.

Entscheidend für den Erfolg beim Fischen ist natürlich auch die richtige Stelle. „Der Zander liebt warmes Wasser“, verrät der Weltmeister, und fährt fort: „Im trüben Wasser, bei maximal 1,5 m Sichtweite“ fällt er am ehesten auf die Kunstköder herein. Während der warmen Jahreszeit geht der Zander tagsüber in flacherem Wasser auf Beute. Ansonsten steht er, wegen des Sauerstoffbedarfs, oft zwischen Pflanzen. Im Winter geht er in tiefere Wasserschichten. Dort hat es, oft sechs Meter unter dem Eis, immer noch vier Grad Wärme. Liegen Steine am Ufer, so hat der Raubfisch gute Chancen auf Futter. Der Gummifisch, den man jetzt einsetzt, sollte einen halben Meter Abstand zu den Steinen haben und deutlich vom Boden entfernt parallel zum Unterschlupf der Raubfischnahrung präsentiert werden.

Kommt der Köder zum Liegen, dann braucht er einen Schubs; am besten von einer harten, steifen Rute. Damit könne man die gewünschte Bewegung am besten kontrollieren. Um eine perfekte Bewegung zu simulieren, kann man sich die Strömung zu Nutze machen. Flussabwärts werfen und gegen die Strömung heranziehen, sei eine gute Möglichkeit, um die Räuber zu täuschen. Dabei betont Isaiasch, dass Raubfische oft in Gruppen unterwegs sind. Das könne man nutzen, indem man mehrere Ruten in schneller Folge in Bewegung setzt. Überhaupt lasse sich der Hecht als Augenräuber, der oft unter der Beute steht, von zappelnden Objekten reizen. Ein ruhigerer Köderfisch dagegen sei ideal für den Zander. Seine größten Hecht-Erlebnisse hatte Isaiasch mit Gummifischen von bis zu 40 cm Länge, flach angeboten. Bei Zandern, außer in Ufernähe, bodennah angefischt, erfreuen sich Wobbler, auch solche mit Rasseln, großer Beliebtheit. Wobei der Referent hier wiederum eher die weiche Rute bevorzugt: „Die richtige Bewegung kommt dann fast von selbst“. Die Köderfarbe, blau, transparent, silbern, für klares Wasser und signalfarben (orange, gelb, pink) für trübes Wasser sollten sich der natürlichen Nahrung der Räuber anpassen. Gibt es in dem Gewässer Krebse, dann sei auch Hell- bis Dunkelbraun, je nach Jahreszeit, angezeigt. Das Vorkommen von Kaulbarschen sei geradezu ein Anzeiger für das Vorhandensein von Zandern. Auch hier sollte man mit braunen Ködern fischen. Große Räuber verjagen, beißen und fressen kleine Räuber, sagt der Fachmann. Köder, in Form und Zeichnung den Fresskonkurrenten ähnlich, also kleine Hechte, Forellen oder Barsche vortäuschend, können Wunder wirken.

Wunder könne man auch dort erleben, wo andere Fischer abwinken. Isaiasch: „Angeln sie gelegentlich einmal atypisch“, denn nur dort, wo man den Räuber bis dahin in Ruhe gelassen habe, konnte er diese Ruhe dazu nutzen, groß und stark zu werden. Auch hier sein Tipp für die Angler: „Beobachten sie ihr Gewässer genau“.

Nach der Theorie ging der ganze Kurs an den Main. Der Weltmeister nahm den einen oder anderen seiner Lieblingsköder an den Haken und führte die Fischlein spielerisch durchs Wasser. Dabei wirkte der Lila-Wobbler („an Land fast ein bisschen wie irgendwas von Beate Uhse“ kommentiert der Referent frech) im Main eher blass. Nach wenigen Augenblicken schwammen Weißfische neugierig herbei. Die geübte Hand des Weltmeisters an der Rute ließ den Wobbler fast nahtlos als Mitglied eines kleinen Schwarms erscheinen – erstaunlich, fanden die Kursteilnehmer. Auch Moderator Eddie Michel war begeistert: „Wer nicht dabei war, hat was versäumt“, so sein Resümee.

Wie der Obmann der Angelfischer ankündigte, soll die Seminarreihe im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Ein hochaktuelles Thema dabei könnte der gezielte Fang von Welsen aus dem Main darstellen.
wkn

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