Gewässerlehrpfad »Kleine Sinn« eingeweiht

"Wissenserweiterung nicht nur für Touristen"

Anklicken zum Vergrößern!SPEICHERZ. Offiziell eingeweiht und übergeben wurde gestern Vormittag in der Speicherzer Flur der Gewässerlehrpfad „Kleine Sinn“, der sich über zwölf Stationen vom Pilster bei Kothen bis Speicherz erstreckt. Als Gemeinschaftswerk von Fischereiverband Unterfranken, Gemeinde Motten und Fremdenverkehrsverein sei dies nicht nur eine gelungene Initiative für Mensch und Natur, sondern widme sich mit dem Schutz der Gewässer einem Thema, „das so richtig gut in die Rhön und das Biosphärenreservat passt“, betonte Landrat Thomas Bold.

Selbst erstaunt war Mottens Bürgermeister Jochen Vogel von der Menge und Vielfalt der interessanten Informationen über Teiche und Bäche in seiner Gemeinde sowie ihr „Innenleben“ und alles um sie herum, als er sich mit der Vorbereitung des Gewässerlehrpfades befasste. Bei dessen Eröffnung gab er gestern zu, dass er selbst das Wenigste davon gewusst habe. Und so gehe es ihm sicher nicht allein. Der Lehrpfad werde daher zur Wissenserweiterung „für alle Großen und Kleinen unter uns“ beitragen und sei auf diese Weise eine Bereicherung für die Gemeinde nicht nur im touristischen Bereich.

Die Natur als Schöpfung Gottes zu wahren und von ihr zu lernen, stellte Pfarrer Michael Kramer bei der Segnung des Gewässerlehrpfades den Mottenern und ihren Gästen anheim.

Anklicken zum Vergrößern!80 Prozent der Fische in Bayern stünden immerhin auf der „roten Liste“, und der eine oder andere werde in wenigen Jahren ausgestorben sein, wenn nichts geschehe, betonte Werner Kenner als Präsident des Fischereiverbandes Unterfranken. Besonders stark gefährdet seien das Bachneunauge und die Mühlkoppe, in der Rhön auch „Köppes“ genannt. Es sei daher der Sinn des Lehrpfades, durch Informationen zum Schutz der Natur im weitesten Sinne beizutragen, der Gewässer in ganz speziellen Sinne. „Diese Aufgabe haben wir alle – einschließlich der kommenden Generationen “, machte Kenner klar. Deshalb lege er den Lehrpfad nicht nur interessierten Gästen, sondern der ganzen Gemeinde und dem Umland ans Herz – und hier vor allem den Schulen und Kindergärten. Einen Erlebnistag am Bach könne er sich hier als ein großes Lernvergnügen vorstellen. Zwar stünden die hier vorkommenden Fische im Mittelpunkt des Lehrpfades, aber weit mehr Faktoren trügen zu einem gesunden Gewässer bei. So sei auf den wetterbeständigen Tafeln, die bis zu 20 Jahren haltbar sein sollen, nicht nur etwas über das Leben im Mühlgraben, den Biber, den Lebensraum Stillgewässer oder die Forellenregion zu erfahren, sondern ebenso über die Nahrungspyramide, eingeschleppte Arten oder extensive Teich- und Wiesenbewirtschaftung.

Es sei ein langer Weg von der Idee bis zum jetzigen (etwa vier Kilometer langen) Gewässerlehrpfad gewesen, erinnerte Werner Kenner. Nachdem er 2003 wegen der angeblich zu erwartenden hohen Kosten damit kein Gehör in Bad Brückenau gefunden hatte, habe ihm Bürgermeister Vogel in Motten sofortige Unterstützung für das Projekt angeboten. Damit habe sich für ihn ein Traum erfüllt, so Kenner. Schließlich sei endlich 2006 mit der Realisierung des Lehrpfades begonnen worden, der sich zu einem wahren Gemeinschaftswerk mit der Gemeinde sowie dem Fremdenverkehrsverein entwickelte und in das sich in besonderer Weise auch Gerd Ziegler als Gewässeranlieger und ehemaliger Gemeinderat sowie Eberhard Schelle, Geschäftsleiter der Verwaltung, eingebracht hätten. Aus einem von speziellen Abgaben der Mitglieder gespeisten Fonds wurde mit exakt 16 528 Euro der größte Teil des Lehrpfades vom Fischereiverband selbst finanziert. „Der Flyer kommt noch“, kündigte Kenner zusätzliches Info-Material an und übergab den „Wissensweg“ mit einem frohen „Petri Heil“ auch an Petrus, den Schutzpatron der Fischer.

Glückwunsch und Dank für dieses gelungene Werk, das nun von möglichst vielen Wanderern, Bürgern und Jugendlichen genutzt werden sollte, richtete Landrat Thomas Bold an die Initiatoren und Unterstützer, die im Beisein zahlreicher Gäste der Einweihung und Segnung beiwohnten. Zu ihnen zählten auch Martin Rottenberger, Sachgebietsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, und Diplom-Biologe Stefan Kaminsky als Vertreter des betreuenden Landschaftsökologie-Büros aus Prosselsheim/ Münnerstadt. Letzterer freute sich, durch die Gestaltung der Tafeln an diesem Projekt mitgewirkt haben zu dürfen. „Das ist doch einmal etwas Anderes als trockene Gutachten“, meinte er und betonte, dass die Sinn eines der wenigen ursprünglich gebliebenen Gewässer in
Unterfranken sei. Dazu habe letztendlich auch die Gemeinde Motten mit der Sanierung der Kläranlage beigetragen und eine Voraussetzung dafür geschaffen, dass gerade hier noch eine große Artenvielfalt von Flora und Fauna anzutreffen ist. kh
 

Quelle: Saale-Zeitung vom 31.07.2008; Fotos und Text: Karin Herzog
 

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